Mittwoch, November 10, 2004

Brasil eu te amo!

So nach langer Abwesenheit gibt es einen kleinen Bericht aus der schönsten Stadt der Welt.

Es gibt einige neue Brasilienfotos! Jetzt alle unter einer neuen Site:
www.defactory.de/brasil

Ich habe mich sehr gut eingelebt hier in Rio. Der Winter ist vorbei, und nachdem sich das Wetter fast 3 Wochen nicht entscheiden konnte zwischen Sonne, Wolken und Regen, kehrt nun endlich der Sommer ein.

Allerdings lagen die Temperaturen auch bei Regentagen so um die 20-25 Grad.

Seit dem letzten Bericht habe ich meinen Wohnort gewechselt: ich habe mein Zimmer an der Lagoa gegen eine Wohnung an der Lagoa ausgetauscht. Ich wohne nun mit 5 weiteren Personen, 3 Deutschen und 2 Brasilianern in einem Palast und zahle genauso viel wie wenn ich nur ein kleines Appartement hätte. 270 qm , 2stöckig, viele Badezimmer, eine große Dachterrasse und Swimmingpool. Und bezahle gerade mal 200 Euro dafür.

He William nochmals muito obgrigado pra sua ajuda!
Ich bin der sehr dankbar für Deine Einstiegshilfe hier! BELEZA!

Ich habe die letzten 2 Monate leider sehr oft vor meinem Rechner verbracht, da ich immer noch an dem Zoma Video saß. Unter der gerelaunchten Site www.defactory.de kann man unter Movies das neue Ding anschauen.

Nun da ich auch etwas mehr Zeit habe, mache ich mich endlich mit neuem Portfolio auf Jobsuche. Ich habe mich in den letzten Wochen immer wieder gefragt wie ich das wohl machen soll nach dem Februar. Auf jeden Fall möchte ich noch nicht nach dem halben Jahr nach Hause fahren. Ich werde versuchen, noch mindestens 6 Monate länger zu bleiben. In der Zeit kann man dann ja noch mal sehen. Das ganze Vorhaben hängt allerdings nicht nur von mir, sondern zum größten Teil von einem Visum und einem Job ab.

Rio ist einfach eine zu schöne Stadt und Brasilien ein zu schönes Land.
Trotz all der Probleme die es hier gibt. Rio hat so viele Gesichter, so viele Kontraste. Täglich sieht man etwas neues was einen erfreut, erschreckt, anekelt, nachdenklich stimmt, oder einfach zum Staunen veranlasst.

Diese Berge, die die Stadt teilen und einen immer wieder dazu bringen stehen zu bleiben und die Aussicht zu genießen. Das Meer und die Lagoa. Die Menschen, all die verschiedenen Hautfarben und Gebräuche. Schönheits-Salons, teure Restaurants und Clubs in Ipanema , Fitnesswahn in der gesamten Zona Sur, dem „besseren“ und etwas sicheren Rio. All die Shoppings, in denen die Brasilianer in - auf Eiskälte runtergekühlten Verkaufshäusern - flanieren. All die schicken Läden in sicherer Umgebung. Überall sind Wachdienste, Polizeistreifen, Portiers an der Tür und Gitter vor den Wohnhäusern. Eigene Parkdecks in den Fitnessstudios, Hundesalons, Hunde-Ausgeh-Services, Frauen mit Bikinis, die sie FIO DENTAL nennen; auf deutsch: Zahnseide. Dekadenz pur.

Dazwischen, immer Präsent, die Armut und das Elend. Favellas die sich die Berge runterziehen und den „normalen“ Wohnhäusern immer näher kommen. Viele Gebiete grenzen direkt an einer Favella an, und die Wohnungen die ganz nah dran sind, fallen in Ihrem Wert.
Überall sieht man Menschen auf der Strasse schlafen, an jeder Ampel jonglieren schmutzige Straßenkinder mit Bällen, um danach bei den Autos um ein paar Centavos zu bitten. Jeden Tag Berichte in der Zeitung über Überfälle und Entführungen. Und jedesmal Berichte über Tote in der Favella. Der Kampf der zwischen der Polizei und den einzelnen Gangs herrscht, erscheint einem wie in einem schlechten Film.
Polizisten, deren Spezialeinheiten die Favellas betreten und gezielt gewalttätig gegen Gangs vorgehen.
Laut Untersuchungen sind fast 65 Prozent aller von der Polizei Getöteten von hinten erschossen worden, mehr als die Hälfte von Ihnen hat mehr als vier Kugeln im Körper. Widerstand gegen die Staatsgewalt. Oder eine Todesstrafe auf den Gassen.Das Wort Krieg ist wohl manchmal eher angebracht.
Sehr oft trifft es die Unschuldigen. Kinder oder Familien, die versehentlich in einen Schusswechsel oder eine „bala perdida“ (verlorene Kugel) geraten.

Auch die Bürokratie hier macht einen Verrückt. Da war der damals so schrecklich erscheinende Gang zum Einwohnermeldeamt doch ein Zuckerschlecken.

Als Ausländer muss man hier innerhalb der ersten 30 Tage zur Policia Federal, was dem Einwohnermeldeamt entspricht. Ich erschien brav am 29. Tag. Füllte schön alle 2598 Formulare aus und gab meine 10 Finger her, als mir in einem kleinen, dunklen und tristen Raum, (der die perfekte Kulisse für eine VerhörSzene bei der Polizei in einem Gangsterfilm bieten würde) die Fingerabdrücke genommen wurden.

Danach ging ich mit einem Beleg los, um eine Bank zu suchen, da man nicht bei der Policia Federal die erforderlichen Gebühren zahlen kann. Als ich die Bank gefunden hatte, musste ich mit erschrecken feststellen, dass sich selbige im STREIK befand.

Wie ich später nach weiteren Versuchen feststellte, waren alle Banken in Brasilien im Streik.
Die staatliche, Banco do Brasil war dann mit knapp 4 Wochen der Spitzenreiter.
Ich spürte direkt das tiefe Vertrauen, das ich ab diesem Tag in brasilianische Banken haben sollte.

Nachdem ich dem Mann bei der Policia Federal meine Misslage erklärt hatte, erhielt ich nur ein „nao se, cara“ – "keine Ahnung, Junge, mir egal" von dem freundlichen Mitarbeiter zu hören.
Auch die Tatsache, das ich den Betrag zu einem bestimmten Zeitpunkt einzahlen musste, um keine Strafe zu bezahlen, interessierte ihn nicht im geringsten.
Ich habe schließlich in Sao Paulo eine Bank gefunden, die geöffnet war und habe dort eingezahlt.

Auf den nächsten Gang zu Policia Federal, den ich bald wegen der Visumsverlängerung antreten muss, freue ich mich schon besonders.

Fotos:
www.defactory.de/brasil

4 Comments:

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9:30 AM  
Blogger Toni said...

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8:42 AM  

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